Ein Reise zu „El Sistema“ in Venezuela

Im Juli diesen Jahres habe ich das ich das fantastische Kinder- und Jugendorchesterprojekt der „Fundación Musical Simón Bolívar“ in Venezuela besucht. Diese Einrichtung hat internationale Beachtung gefunden, die Orchester treten weltweit unter der Leitung von Stardirigenten auf, die pädagogische Arbeit ist beispielhaft. Nach langer Vorbereitung bin ich zum Ende des Schuljahres 2014/15 aufgebrochen, um mir mit eigenen Augen anzuschauen, was den Erfolg der Venezolaner ausmacht.

Diese „Musikschule“ zu besuchen bedeutet nicht, sich ein Instrument auszusuchen und dann einen Lehrer zu buchen. Die Kinder bewerben sich um einen Platz in einem der Orchester, vom ersten Tag sind sie Teil eines großen Ganzen. Nachdem ihre Befähigungen und Wünsche geprüft worden sind, erhalten sie ihr Instrument und erscheinen wenig später bei ihrer ersten Orchesterprobe. Der Unterricht ist kostenlos! 

 

Abbildung 1 Das Nucleo von Caucagua, „Selfie“ mit den jungen Musikern.

In dem 30 Mio. Einwohner-Land werden ca. 640.000 Kinder und Jugendliche in „El Sistema“ ausgebildet. Ein „Nucleo“, so heißen die einzelnen Filialen des in der Hauptstadt Caracas gegründeten Systems, besteht aus bis zu vier Orchestern, meist drei Kinderorchestern in verschiedenen Leistungsstufen und on Top dem Jugendorchester „Orquesta juvenil“. Um Mitglied im nächst höheren Orchester zu werden, spielen die Kinder vor. Alle Nucleos arbeiten zusammen, planen gemeinsame Projekte, tauschen Noten und Lehrer. Die jungen Musiker treten mindesten zweimal pro Monat irgendwo auf. 

 

Abbildung 2 Nucleo in Caracas, 140 junge Musiker.

Fünf Nucleos durfte ich mit Genehmigung des nationalen Koordinators Andres Gonzalez besuchen. Die Eindrücke habe ich filmisch dokumentiert und auf Youtube (https://youtu.be/fwXlra9KRg8 Part1/5) veröffentlicht. Tolle Bilder von fröhlichen, engagierten und inspirierten Kindern und Jugendlichen. Ich bin freundlich empfangen worden und würde gerne noch einmal zurückkehren und mit unterrichten. Wenn es „Ärzte ohne Grenzen“ gibt, muss es auch „Musiker ohne Grenzen“ geben.

Vielen Dank für die Unterstützung durch die „Fundación“, meine venezolanischen Kollegin Xiomara Escalona und die Musikschule der Stadt Frechen.

Alexander Eger

Violinpädagoge
Dirigent des Sinfonieorchesters der
Musikschule der Stadt Frechen