Das Konzept SBM-Sensorische Bildung durch Musik (Birgit Hiller)

Das Konzept „Sensorische Bildung durch Musik (SBM)“ wurde im Jahr 2010 in der Stadt Frechen entwickelt. Die Leiterin einer Kindertagesstätte und eine Diplommusikpädagogin der städtischen Musikschule suchten nach einer Lösung, wie alle Kinder einer „Brennpunkt“-Kita kostenfrei an musischer Bildung mit Sprachförderung teilhaben könnten.

Folgendes Konzept, das mittlerweile durch Spenden finanziert wird, hat sich bewährt:

Die Musikpädagogin besucht ein bis zwei Mal monatlich kooperierende Kindertagesstätten und geht mit ihrer Gitarre durch die KiTa-Gruppen. Sie singt, tanzt und musiziert mit allen Kindern. U3 Gruppen (Kinder unter drei Jahren) sind in den Ablauf integriert.

Ein besonderer Schwerpunkt des Konzepts liegt auf der Berücksichtigung von Kindern mit speziellem Sprachförderbedarf.

Inhalt

Kinder im Vorschulalter sind grundsätzlich hochmotiviert und begeisterungsfähig für Musik und Tanz.

Beim Bewegen und Musizieren geschieht vieles durch Vor- und Nachmachen, durch Zuhören und Mitmachen. Alle beteiligen sich als gleichwertige Mitglieder am Geschehen in der Gruppe. Sie spüren ihre stimmlichen und körperlichen Möglichkeiten. Emotionen werden frei, aber durch die Formen und Strukturen der Musik bleiben sie kontrollierbar.

Kreistänze, Liedinterpretationen durch Gesten, Beschleunigen und Verlangsamen von Bewegungen, witzige Texte machen einfach Spaß.

Beim Nachklatschen und Erfinden von Rhythmen, beim Melodiespiel und dem Gesang mit einfachen Silben können alle schnell mitmachen und musikalische Grundkenntnisse erlernen.

Sprachförderung

Das Singen von Liedern, vor allem in schnellem Tempo oder mit komplizierteren Texten können nicht alle gleich schnell erlernen. Für Kinder mit geringeren Deutschkenntnissen bietet es sich an, Texte langsam zu sprechen und von ihnen wiederholen zu lassen. Es ist spannend, Wörter auszulassen und diese von Kindern sprechen zu lassen oder begonnene Texte von Kindern weiterführen zu lassen. Passende Gesten sind eine große Hilfe.

Eine gute Unterstützung für Kinder mit Defiziten in der deutschen Sprache ist es, wenn die Lieder, die in der großen Kindergartengruppe gesungen wurden, noch einmal in kleinen Gruppen vertieft werden.

Das Begrüßen, Zählen und Singen in verschiedenen Sprachen führt zu mehr Vielfalt für alle und baut Brücken zueinander.

Miteinander der Kulturen

Beim Elternnachmittag werden Eltern gebeten, CD´s mit Musik, die die Kinder mögen (Musik zum Mitsingen, Mittanzen) mitzubringen. Kinder und Geschwisterkinder tanzen z.B. orientalisch oder wie sie es vom neuesten Videoclip kennen. Wir hören uns gegenseitig beim Singen und Sprechen in anderen Sprachen zu und singen das Lied „Bruder Jakob“ in vielen Sprachen. Wir leisten einen Beitrag zu internationalem Verstehen und neugierigem, friedlichen Miteinander.

Musikpädagogin und Erzieherin (Teamcoaching)

Die soziale Komponente spielt eine große Rolle

Damit keine zu große Lautstärke oder musikalisches Durcheinander entsteht, leuchtet es ein, dass Grenzen gesetzt und eingehalten werden müssen. Die Kinder können sich äußern, aber nicht immer im Mittelpunkt stehen. Manchmal müssen sie warten, bis sie an der Reihe sind z.B. ein Instrument zu bekommen.

Hier gehen die Aktionen von Erzieherinnen und Musikpädagogin häufig Hand in Hand. Während die eine den musikalischen Faden für alle weiterspinnt, wendet sich die andere Einzelnen zu, die Unterstützung oder den Hinweis auf eine konkrete Regel brauchen.

Die Musikpädagogin freut sich, wenn sie erlebt, dass Kinder die Lieder mit den Erzieherinnen geübt haben, und sie vorsingen. Die Lieder sind in den Liederschatz der Gruppe oder auch der ganzen Kita übergegangen. Manchmal finden sie auch den Weg ins Sommerfest oder die Weihnachtsfeier.

Durch SBM können Kita-Themen und Projekte gut unterstützt werden. Die Musikpädagogin recherchiert in ihrem Fundus und im Internet nach geeigneten Liedern und Musiken. Die Erzieherinnen bringen Lieder mit, deren Texte sie ansprechend finden, deren Noten sie jedoch meistens nicht lesen oder spielen können. Dies kann für alle Seiten bereichernd sein. Erzieherinnen können Lieder z.B. vor Ort mit dem Handy aufnehmen oder sie sich später z.B. bei „You Tube“ anhören.

Es ist sehr konstruktiv, wenn die beteiligten Musikpädagogen ein bis zwei Mal jährlich an Teamsitzungen der Kitas teilnehmen können. Eine ruhige Erwachsenenrunde erleichtert das wichtige Geben von Feedback und die Erörterung neuer Pläne.

Die musikalische Fortbildung von Erzieherinnen ist sinnvoll und wird gern angenommen (z.B. Gitarrenkurs, Lieder zum Miteinander, zur Sprachförderung).

 

 

Hier ein Video aus dem SBM-Konzert 2015.